
Dorff feierte 825 Jahre
am 19./20.Juli 2003
![]()
|
1178 dorp 2003 Mit etwas Verspätung eröffnete der Vorsitzende des Heimatvereins Hans Oebel gegen 19.10 Uhr die 825-Jahr-Feier in Dorff. Gut 300 Besucher tummelten sich dicht gedrängt auf dem Lindenplatz. Die halbe Ortschaft und eine Menge lokaler Prominenz war auf den Beinen, um der Enthüllung des Gedenksteines entgegen zu fiebern. Zunächst begrüßte Hans Oebel alle Anwesenden, vor allem den Bürgermeister der Stadt Stolberg und die politischen Vertreter der Stadt und des Kreises auf herzlichste. Danach entführte er die Gäste auf eine kurze Reise durch die Vergangenheit, in dem er den Bogen von den vermuteten Anfängen der Ortes in der Keltenzeit über die Römer und die Franken bis in die Gegenwart spannte. "Genauso wichtig wie die angenommenen und wie die belegten Geburtsjahre unseres Ortes sind, ist, dass wir uns jetzt auf uns selbst besinnen und uns miteinander unseres schönen Heimatortes bewusst werden", fuhr Oebel fort. " Was nahezu tausend Jahre alt ist, müssen wir schützen, pflegen, bewahren und weiter entwickeln, denn nichts ist so beständig wie die Veränderung", betonte der Vorsitzende des Heimatvereins. "Wir tragen die Verantwortung, unseren Ort über die Zeit zu bringen. Sind wir uns dessen bewusst und stoßen wir heute auf eine gute Zukunft und ein gemeinsames Miteinander an", so Oebel weiter. Danach dankte er allen Spendern und den Dorffern für die großzügige Unterstützung. Er wünschte allen einen schönen Festabend und ein gutes Gelingen des Festes.
Gegen 19.20 Uhr ergriff Bürgermeister Siebertz das Wort. Als "liebenswerten Stadtteil", auf den man stolz sein könne, bezeichnete der Schirmherr den idyllischen Ort. Es folgte ein kurzer Abriss der Geschichte Dorffs von der ersten urkundlichen Erwähnung bis in die Gegenwart als Stadtteil Stolbergs. Er beendete seine Rede mit einer Strophe aus dem Gedicht "Mi Heimatdorp" v. Paul Idon, in der die dörfliche Gemeinschaft und das Heimatgefühl besonders betont werden. Danach lobte er den Künstler Holger Vanicek für den gelungenen Stein und wünschte allen ein gutes Gelingen der Feierlichkeiten. Pfarrer Ulrich Lühring griff in seiner Rede den Gedanken an den idyllischen Ort auf und lud die Zuhörer zu einer Ballonfahrt über unseren Heimatort ein. Die Mitfahrer würden einen von viel Grün umgebenen Ort erblicken mit wenig Beton und im Zentrum den Lindenplatz und die großartige Kirche St. Maria Empfängnis. Dafür sollten wir alle unserem Herrgott dankbar sein. Er wünschte allen ein gelungenes Fest. Paul Idon bat danach den Schirmherrn auf die Bühne, um ihm ein Exemplar seines Bildbandes zu überreichen. "Durch dieses Werk werden Sie unseren Ort noch besser lieben- und kennen lernen", führte er aus. Er lud alle Anwesenden ein, ein Exemplar zu erwerben.
Nach einem kurzen Intermezzo durch die Crack Field Stompers folgte der eindeutige Höhepunkt des Abends, die Enthüllung des Gedenksteins. Die war schon etwas Besonderes, war doch der Stein nicht mit einem Tuch verhüllt, sondern von Spanplatten umgeben, die erst einmal mit Akkuschraubern entfernt werden mussten. Gemeinsam machten sich Bürgermeister Siebertz und die Mitglieder des Heimatvereins ans Werk. Der große Moment nahte und das Prunkstück erstrahlte im vollen Glanz des Abendlichtes. In der Menschenmenge raunte es nur noch "Ohs" und "Ahs", dann brandete Beifall auf. Alle waren sofort Feuer und Flamme. Wie weggefegt war plötzlich die anfängliche Skepsis mancher Dorffer, die dieses Denkmal für völlig überflüssig gehalten hatten. "Wirklich schön, das Denkmal passt hier sehr gut hin." hieß es unisono. Holger Vanicek gab eine kurze Erklärung zum Denkmal ab und taufte es dann auf den Namen "vici tempora". Den himmlischen Segen spendete ihm Pfarrer Lühring, auf das uns der Stein auch lange an seinem Orte erhalten bleiben möge.
Mit vielen musikalischen Einlagen durch die Crack Field Stompers nahm die Feier ihren Lauf. Dass das Orchester des Ritzefeld-Gymnasiums dabei ein paar technische Probleme mit den Verstärkern hatte, störte niemand. Gegen 23.30 Uhr räumten sie, mit viel Beifall bedacht, die Bühne für die "Karamba Männcher". Diese Gruppe heizte den verbliebenen Gästen bis 1.00 Uhr mit fetzigen Schlagern so richtig ein, so dass einige sogar auf dem holprigen Pflaster des Lindenplatzes tanzten. Spät in der Nacht zogen die letzten Dorffer nach Hause in dem Gefühl, einen sehr gelungenen Abend miterlebt zu haben. Erstaunlich wie viele Dorffer und Auswärtige am Sonntagmorgen gegen 11.00 Uhr wieder den Weg zum Lindenplatz fanden, um mit Pfarrer Lühring die heilige Messe zu feiern und das bei bereits sehr heißen fast tropischen Temperaturen. Dazu hatte der Pfarrgemeinderat auf der Bühne aus einem Tisch einen Altar hergerichtet und ihn liebevoll mit Blumen geschmückt. In seiner Predigt erzählte Pfarrer Lühring eine Geschichte aus dem kleinen Prinzen von Saint-Exupéry. Ein Wissenschaftler hat eine durstlöschende Pille erfunden, die nur einmal die Woche eingenommen werden muss. So erspart man sich immerhin 58 Minuten in der Woche, die man sonst zum Trinken benötigt. Der kleine Prinz aber wollte die so gewonnene Zeit nutzen, um zum Brunnen zu gehen, um zu trinken. Wir haben heute Waschmaschinen, Autos, Elektroherde und meinen dadurch viel Zeit zu gewinnen. Aber haben wir wirklich mehr Zeit als unsere Vorfahren vor 825 Jahren? Nein, wir haben mehr Stress und Hektik als jemals zuvor. Wir sollten wieder mehr zu uns selbst finden, mahnte Pfarrer Lühring. Die Messe beendete er mit dem Kommentar:" Der erste Zapf gehört den Altardienern und bestellte sich gleich ein Pils." Aber auch die anderen Anwesenden nahmen die Aufforderung dankend an und sprachen dem guten Essen und den Getränken reichlich zu.
Gegen 14.00 Uhr begann die Übertragung des Formel-I-Rennens in Silverstone. Dieses sportliche Großereignis konnten die Gäste auf einer Leinwand mitverfolgen, die der McLaren-Mercedes Club Dorff auf der Bühne in der Zwischenzeit aufgebaut hatte. Auch Bürgermeister Siebertz schaute sich das spannende Rennen in Dorff an. Gleichzeitig erfreuten sich die Kinder unter der Leitung der Gemeindereferentin Frau Jansen an kleinen Spielen, wie Teller jonglieren, Tierfiguren basteln aus Luftballons und vor allem am Dosen umspritzen mit einer Kübelspritze der Feuerwehr. Außerdem war eigens für die Kinder ein Clown engagiert worden. Zwischendurch konnten sich die Besucher immer wieder an alten Oldtimern ergötzen, die auf ihrer Fahrt nach Kornelimünster zufälligerweise in Dorff vorbeikamen. Den Abschluss des Programms bildete der Auftritt der Dorffer Powerkids. Mit ihren orientalischen Klängen und Gewändern begeisterten sie das Publikum und ernteten dafür sehr viel Applaus. Wann der letzte Dorffer an diesem Abend gen Heimat zog, entzieht sich meiner Kenntnis. Zum Schluss kann ich im Namen des Heimatvereins nur allen Helfern sehr sehr herzlich danken für ein rundum gelungenes Fest. Zum Glück spielte auch der Wettergott mit. Denn erst gegen 18.00 Uhr setzte leichter Regen ein, obwohl es den ganzen Tag sehr schwül gewesen war bei mehr als 30° C im Schatten. Einigen Dorffern hat es so gut gefallen, dass sie meinten: "Ein solches Fest könnte man doch eigentlich alle 5 Jahre feiern". Einer vertrat sogar die Meinung:" Nächstes Jahr braucht unser Denkmal ein Dach. Die Gelegenheit sollten wir uns nicht entgehen lassen." Na dann auf ein fröhliches Wiedersehen beim Denkmalfest im Jahre 2004, spätestens 2008. Text: Alfons Reichert |
![]()
|
|
|
|
|
|